„Störfaktor Kreativität“ – Jean-Remy von Matt begeistert über 160 Gäste beim Marketingclub Augsburg
Der Marketingclub Augsburg durfte einen der renommiertesten Kreativen der deutschsprachigen Werbebranche begrüßen: Jean-Remy von Matt, Mitgründer der Agentur Jung von Matt, sprach vor mehr als 160 Mitgliedern und Gästen über Mut, Kreativität und den täglichen Kampf um die gute Idee. Der Abend hinterließ bleibenden Eindruck – und gab der gesamten Marketing-Community wichtige Impulse mit auf den Weg.
Jean-Remy von Matt: Eine Legende der deutschen Kreativbranche
Jean-Remy von Matt gilt als eine der prägendsten Persönlichkeiten der europäischen Werbe- und Kreativwirtschaft. 1991 gründete er gemeinsam mit Holger Jung die Hamburger Agentur Jung von Matt, die heute zu den bekanntesten und erfolgreichsten Kreativagenturen Europas zählt. Aus seiner Feder stammen ikonische Slogans wie „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ für die Kreissparkasse – und aus seiner Agentur das unvergessliche „Geiz ist geil“ für Saturn.
Mit seinem 2025 erschienenen Buch „Am Ende – Erlebnisse und Erkenntnisse aus meinem kreativen Leben“ zog von Matt eine pointierte Bilanz aus sieben Jahrzehnten im Dienst der Kreativität. Das Werk ist selbst eine Marketingidee: Es wurde absichtlich so konzipiert, dass es von Kapitel zu Kapitel schlechter wird – ein Versprechen, dass der Leser das Beste garantiert nie verpasst.
Augsburg als Station einer begeisternden Vortragstour
Unter dem Motto **„Störfaktor Kreativität – aber ohne bleibt alles beim Alten!“** sprach Jean-Remy von Matt vor „vollem Haus“ zu einer hochmotivierten Zuhörerschaft. Mit mehr als 160 anwesenden Mitgliedern und Gästen markierte der Abend eines der bestbesuchten Events in der jüngeren Geschichte des Clubs.
Eine herzliche Laudatio hob den Abend stilvoll an und stimmte das Publikum auf einen Referenten ein, der für seine direkte, humorvolle und bisweilen provokante Art bekannt ist.
Unzufriedenheit als Motor der Innovation
Ein zentraler Gedanke des Abends: Kreativität entsteht nicht trotz, sondern wegen Unzufriedenheit. Von Matt beschreibt sich selbst als „notorisch unzufrieden“ – und sieht genau darin die Quelle aller kreativen Energie. Wer sich mit dem Status quo abfindet, hört auf, Fragen zu stellen. Und wer aufhört, Fragen zu stellen, hört auf, Neues zu denken.
Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Wirken: Kreativität ist kein Talent, das man hat oder nicht hat – sie ist eine Entscheidung für den Widerstand gegen das Gewöhnliche.
Der Feind der Idee: Angst vor dem Fehlpass
Von Matt zeichnete ein treffendes Bild vom Zustand des modernen Marketings: Viele Unternehmen agieren heute so, als wäre die größte Gefahr nicht das Tor des Gegners, sondern der eigene Fehlpass. Diese Mentalität führt zu glattgebügelten, charakterlosen Kampagnen – Kommunikation, die niemandem wirklich etwas bedeutet.
Die Konsequenz: Entscheidungen, die früher ein mutiger „Alpha-Entscheider“ mit einem klaren Bauchgefühl traf, werden heute durch endlose Abteilungsschleifen, Compliance-Prüfungen und Fokusgruppen gejagt – bis von der ursprünglichen Idee kaum noch etwas übrig bleibt.
Bedenkenträger sind Sargträger
Eine der pointiertesten Aussagen des Abends kam direkt aus seinem Buch: Bedenkenträger seien in Wirklichkeit Sargträger – die Sargträger der Innovation. Dieser Satz traf im Saal einen Nerv. Denn jeder, der schon einmal eine starke Idee durch bürokratische Mühlen verloren hat, kennt dieses Gefühl der schleichenden Erosion des Mutes.
Von Matt plädierte eindringlich dafür, Ideen früher zu entscheiden, weniger zu testen und stärker auf das Urteil erfahrener Kreativer zu vertrauen – so wie es etwa Erich Sixt jahrzehntelang vorgemacht hat.
Kreativität als strategischer Wettbewerbsvorteil
Jean-Remy von Matt ist kein nostalgischer Rückwärtsblicker. Sein Credo lautet: Kreativität ist der wichtigste Rohstoff des Kommunikationszeitalters – kostbar, aber leicht verderblich. Unternehmen, die diesen Rohstoff schützen und fördern, sichern sich einen nachhaltigen Vorsprung gegenüber jenen, die auf austauschbare Beliebigkeit setzen.
Besonders in einer Zeit, in der KI zunehmend kreative Prozesse übernimmt, gewinnt die menschliche Fähigkeit zur echten, emotionalen, überraschenden Idee an Bedeutung – nicht verliert sie. Von Matt sieht darin keine Bedrohung, sondern eine Einladung: Wer wirklich kreativ denkt, hebt sich vom Durchschnitt der generierten Massenware ab.
Ein Abend, der nachwirkt
Der Vortrag von Jean-Remy von Matt beim Marketingclub Augsburg war mehr als ein unterhaltsamer Rückblick auf eine eindrucksvolle Karriere. Er war ein Weckruf: für mehr Mut in Marketingentscheidungen, für mehr Vertrauen in kreative Instinkte und für weniger Angst vor dem Fehlschlag.
Die Botschaft, die der Abend hinterließ, lässt sich in einem Satz zusammenfassen – ganz im Sinne des Meisters der Verdichtung: Wer keine Fehler riskiert, wird keine Tore schießen.
























































