Modehaus 2.0 – So funktioniert Handel heute

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Nach der Sommerpause freuten sich die Mitglieder des Marketingclubs Augsburg am 13. September auf einen interessanten und spannenden Vortrag von Marcus Vorwohlt zum Modehaus 2.0 und dem Multichannel im Handel von heute und morgen. Und das ist dem sympathischen Geschäftsführer des alteingesessenen Augsburger Modehauses in der Karolinenstraße auch perfekt gelungen. Kurzweilig und gespickt mit vielen tollen Videos führte er durch den Abend. Die Gäste saßen übrigens inmitten der Damenabteilung im 1. Stock von Rübsamen –zwischen den neuen Herbstkollektionen der Marken Opus, Marco Polo und Cartoon.

Das anschließende Get-Together durften die Gäste noch bei einer Weinprobe zwischen den neuen Kollektionen im Modehaus genießen.

Wie es in fünf Jahren aussehen wird, das kann Vorwohlt heute noch gar nicht sagen. Da ist er auch ganz ehrlich. Vor den zahlreich erschienenen Gästen des MCA – die Veranstaltung war ausgebucht – erzählte er, wie sein Unternehmen den Spagat zwischen dem Online-Handel und dem erlebbaren Ladengeschäft, wo man die Waren noch anfassen kann, schafft und wie Rübsamen diesen Weg geht.

Im Moment sind die Regale gut gefüllt mit Herbstmode. Die Kunden liegen bei den sommerlichen Temperaturen noch lieber am Badesee. „Wir sind sehr saisonabhängig“, so Vorwohlt. Wie Multichannel Handel heute aussieht, zeigte er als erstes mit einem Video der Marke Burberry, die ein Benchmark für Multichannel Handel ist. Laut Vorwohlt hat sich das Bedürfnis der Menschen geändert, was zu einer Marktbereinigung führen wird: „Zurzeit haben sie das Bedürfnis nach etwas Neuem. Das merken wir auch in der Mode. Sie wird sich ändern. Auch Burberry hat hier Schwierigkeiten.“

Beachtlich sind die Zahlen, die er nennt. Allein im Online-Handel wurden in den letzten fünf Jahren 30 Milliarden Euro mehr umgesetzt. Das bedeutet umgerechnet in Verkaufsflächen: 12 Millionen Quadratmeter sind überflüssig geworden. Und dieser Effekt beschleunigt sich im Moment. Das kann einem lokalen Geschäft schon Angst machen. Doch Rübsamen geht seinen eigenen Weg und meistert es durch Diversifizierung.

Seit Generationen ist Rübsamen eine Institution. Gegründet wurde das Ladengeschäft in der Karolinenstraße 10 im Jahr 1900 von Johann Rübsamen. Damals wurde noch alles verkauft, was man braucht – vom Bierkrug bis zur Kleidung. Erst nach dem Krieg hat man sich auf ein Modehaus spezialisiert. Ende der 70iger Jahre kamen dann weitere Filialen im Umland dazu. Inzwischen sind es 15 Filialen von Schrobenhausen bis Murnau mit über 160 Mitarbeiter.

Das Angebot hat sich bis heute stark gewandelt, aber das Vertrauen in die Qualität und Zuverlässigkeit des alteingesessenen Einzelhändlers hat sich erhalten. Die Stärke des Modehauses liegt zum einen darin, das Vertrauen zum Kunden weiter auszubauen, aber auch in der Nachhaltigkeit und der Erlebbarkeit beim Shoppen. „Wir sind stark diversifiziert, das streut das Risiko. Dafür sind wir sehr dankbar.“ Die klassische Werbung geht dabei immer mehr zurück, Rübsamen setzt auf Imagewerbung und digitale Medien wie zum Beispiel einen Newsletter und Social Media, das bringt Sympathien.

In den Rübsamen-Onlineshops sind allein 20.000 Hemden vorrätig, da nimmt Rübsamen eine Vorreiterrolle ein. Interessant sind für Vorwohlt Auswertungen über Online-Zugriffe. Über sie erfährt man viel über die Kunden. Zum Beispiel öffnen 40 Prozent der Nutzer die Online-Seite über das Smartphone.

Multichannel erlebbar machen

Praktisch für den Kunden: Online kann er sich die Produkte aussuchen und dann geht er in das Geschäft vor Ort und kauft es dort ein. „Anfassen und fühlen, dass eine Ware flauschig ist, das ist es, was die Kunden heute wollen“, so Vorwohlt. „Deshalb kann das Internet sogar die Frequenz im Laden erhöhen, wie es bei manchen S. Oliver-Shops von Rübsamen der Fall ist. Zuerst schauen und informieren, dann gezielt zur Verkäuferin des Vertrauens gehen.“ Für Vorwohlt braucht eine Verkäuferin Charakter, Darstellungsfähigkeit und Empathie. Das ist es auch, was Rübsamen ausmacht.

Den krönenden Abschluss bringt „Der Obststandl Didi“ – die Mutter aller Imagefilme mit dem Titel „S’Lebn is a Freid“. Dieses Video muss man einfach gesehen haben. Die Mitglieder des MCA haben Tränen gelacht. Denn genauso ist es heute: Der Einkauf wird zum Erlebnis, man sucht einen Gesprächspartner! Es die Nähe zum Kunden, die Nachhaltigkeit, die Qualität und die Leidenschaft in einem. Mehr dazu hier:

Die Mitarbeiter von Rübsamen sind der Obststandl Didi!

Und Vorwohlt verrät schon mal, dass es im Ladengeschäft bald keine langen Schlangen an der Kasse mehr geben wird. Denn sein Laden wird zum Hotel – man wohnt dort für gewisse Zeit und zahlt in der Lounge.

Text und Bilder: Sabine Roth

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