Chailove UG – Von der Schulbank in den E-Commerce

Spannende Einblicke in den E-Commerce gab die erst 20-jährige Larah Sophie Neidlinger den Mitgliedern des Marketing Clubs Augsburg beim zweiten Vortrag aus der Reihe JuMP (Junior Marketing Professionals). Denn ein Unternehmen im Onlinebusiness ohne Fremdkapital zu gründen ist gar nicht so einfach. Wie sie das geschafft hat und welche Meilensteine und Hürden die Gründerin auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit mit ihrem heutigen Unternehmen Chailove durchlaufen hat, erzählte sie den Gästen. Und das Interesse war groß, über 40 Mitglieder des Marketing Clubs Augsburg kamen in die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, wo Prof. Dr. Daniel Veit, der Inhaber des Lehrstuhls für Informations Systems und Business Management am Institut für BWL, in seine Räumlichkeiten eingeladen hatte.

Begrüßt wurden die Gäste von Prof. Dr. Daniel Veit von der Uni und Simone Kutz Juniorensprecherin des Marketing Clubs Augsburg, die sich freuten, bei der erst zweiten JuMP-Veranstaltung so viele Mitglieder zu sehen. IMG_3049

Bevor es mit dem Vortrag losging, durften sich vier neue JuMP-Mitglieder vorstellen. Sie alle freuen sich, hier neue Kontakte knüpfen zu können und sich vor allem mit den Mitgliedern auszutauschen und neue Ideen für die eigene Arbeit zu bekommen.

Dann waren alle gespannt, was Larah Sophie Neidlinger, die übrigens philippinische Wurzeln hat, zu ihren Stadien der Existenzgründung, der Ideenfindung und vor allem ihrer Motivation zu erzählen hatte. Das tat sie in einem lebendigen Vortrag, der gespickt war mit vielen Beispielen. Larah Neidlinger hat sich sogar entschieden, ihren Weg zum Abitur nicht fortzusetzen und nach der elften Klasse die Schule abzubrechen, um sich ganz auf ihr neues Geschäft konzentrieren zu können. „Ich wollte meine Zukunft selber in die Hand nehmen und raus aus der Komfortzone und rein ins Abenteuer“, so Neidlinger. Wie damals bei ihrer Reise mit Interrail, als sie vier Wochen durch Europa tourte.

Ihre Ideenfindung begann im Januar 2015, damals war sie noch auf der FOS. Ein Ladengeschäft kam für sie aufgrund der hohen Fixkosten nicht in Frage, deshalb dachte sie an einen Onlineshop. Dieser ist günstiger und sie hat damit weniger physischen Aufwand. „Aber ich hatte damals keine Ahnung von gar nichts, nicht mal von einem Produkt!“, erzählt sie. Ein harter Weg stand ihr also bevor. Ihre ersten Ideen waren, dass das Produkt unter 10 Euro kosten, einfach, nicht zeitintensiv und vor allem cool sein sollte. Als erstes dachte sie an Blumen mit verschiedenfarbigen Blüten, aber da wird nur eine Blume von 100 so schön. Deshalb hat sie diese Idee wieder verworfen. Ihr nächster Gedanke war: Wo schaut man nicht auf den Preis? Bei Genussprodukten und Produkten für Kinder.

Die nächste Herausforderung, die sie meistern musste, war die technische Umsetzung. Was sind die wesentlichen Bestandteile eines Onlineshops? Die Programmierung mit html und Photoshop für die Bildbearbeitung hat sie in einem Onlinekurs gelernt. Zudem lernte sie WordPress und WooCommerce, beide sind kostenlos. Sie versuchte es dann mit einem anderen Produkt: einer Finesse Ölflasche. Leider ohne Gewinn. Was lief falsch?

Den Shop besuchten zu wenige Leute, die Werbekosten waren zu hoch und das Produkt war nicht ausgereift. Neidlinger beschloss, ihre Strategie zu ändern. „Man muss sich überlegen, welchen Wert man für den Kunden schafft!“ Sie entschloss sich dann, jede Woche ein Buch zu lesen, um sich weiterzubilden. Auch Google Adwords und Amazon PartnerNet lernte sie kennen. Dabei verdiente sie sich 250 Euro im Monat mit dem Vergleich der besten Bluetooth-Kopfhörer. Aber das war ihr zu viel Arbeit. Denn hier musste sie immer wieder neuen Content schreiben. Auch das Konkurrenzumfeld war zu stark.

Ihre nächsten Schritte: Trends analysieren und eine Marktübersicht erstellen

So kam sie auf Chai Latte. Das Getränk liegt voll im Trend und wird vor allem regelmäßig gekauft. „Dieses Produkt erfüllte meine Voraussetzungen!“ Dann hat sie verschiedene Geschmacksrichtungen getestet und sich die Konkurrenz angesehen, was die Inhaltsstoffe betrifft. Neidlinger wollte echte Gewürze verwenden und echten Schwarztee. Jede einzelne Geschmacksrichtung hat sie dann bewertet.

Auch die Produktverpackung sollte einzigartig, mehrfach verwendbar und schick in der Küche sein. Ihr Chailove-Logo sollte jugendlich und modern sein, ebenso ihre Website. Doch wo soll das ganze produziert werden? Sie fand eine Halle in Göggingen und besorgte sich einen industriellen Mischer für knapp 3.000 Euro. Los ging es dann Ende September letzten Jahres mit einem anfänglichen Umsatz von 600 Euro und einer Bonce Rate von nur 85 Prozent. Ihre Entscheidung: eine neue Website musste her. Sie sollte leicht verständlich sein. Gesagt, getan.

Im Oktober stieg der Umsatz dann schon auf 3.000 Euro. Einen Monat später wurde Neidlinger im Social Web aktiv. Auf Instagram hatte sie bald 21.000 Abonnenten. Das Geschäft mit den Influencern brachte ihr weitere Umsätze. Für klassische Werbung gab sie kein Geld aus. Im Dezember definierte sie ihre Strategie wie folgt: „Kurs halten, gesund wachsen und im Teamwork arbeiten, Investoren habe ich bisher abgelehnt!“ Inzwischen gibt es ihre Chai Lattes in den ersten Restaurants und im Supermarkt.

Hut ab vor solch einer Leistung, und das mit erst 20 Jahren. Aber Larah Neidlinger hat bei ihren Eltern gesehen, dass auch eine lebenslange Anstellung nicht sinnvoll ist. Denn beide sind bei Weltbild und müssen ständig um ihre Jobs bangen. Das möchte Neidlinger nicht, sie möchte für sich selbst verantwortlich sein und ist deshalb diesen Weg gegangen, auch wenn sie das Abitur bisher noch nicht in der Tasche hat.

Ihr Motto: Start Today, enjoy the ride. Before there’s nothing more to conquer! Nach dem Vortrag hatten alle noch genügend Zeit, sich miteinander auszutauschen.

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