Architektur: Titus Bernhard – ein Provokateur wider Willen

Wie Marketingstrategien in der Architektur aussehen, darüber sprach der Augsburger Architekt Titus Alexander Bernhard bei der wieder einmal ausgebuchten Marketing-vor-Ort-Veranstaltung am 24. April 2018. Dazu hat er unsere Mitglieder in seine über 800 Quadratmeter großen Räumlichkeiten in den Martini Park eingeladen. Allein das versprach schon außergewöhnlich zu werden, denn die Industriehalle aus dem Jahr 1900 versprüht einen ganz besonderen Charme.

Vor knapp zwei Jahren ist Bernhard mit seinem Architekturbüro und seinen 20 Mitarbeitern dort eingezogen. Er zeigte Bilder wie es vorher ausgesehen hat: ein Gang mit Glasbausteinen an den Wänden mit Blick in eine marode Lagerhalle mit Wasserschäden. Kaum zu glauben, was er daraus mit LED-Leuchten, weißen Wänden, viel Trockenbau und einem simplen Schallschutz aus weißen Vorhängen gemacht hat. Den Fußboden aus Betonestrich hat er gelassen. „Es wäre schade gewesen, wenn wir da einen neuen Boden darüber gelegt hätten“, so Bernhard. Die günstigen Mietkosten für das großzügige Büro waren es letztlich, die ihn überzeugt haben, dort einzuziehen. Aber wenn er heute so zurückblickt, war es eine gute Entscheidung, in Augsburg zu bleiben.

Nach dem Get-Together führte Titus Bernhard erst einmal durch die Räume. Schon der Eingang ist überwältigend. „Think before you act“, steht auf der Türe, nachdem man die Außentreppe nach oben gegangen ist. Der Flur ist in Schwarz gehalten und auf einer Wand stehen alle Kundennamen.

Das ist für den Architekten ganz wichtig. „Der Eingangsbereich soll an eine Gasse in der italienischen Stadt Siena erinnern. Man geht durch und kommt dann auf die Piazza“, sagt Bernhard. Dieser Platz ist bei ihm das 140 Quadratmeter große Foyer mit dem Empfang, das sich ideal als Veranstaltungsort eignet. Die Mitglieder des Marketing Clubs fühlten sich dort sofort wohl. Auf seine Mitarbeiter ist er mächtig stolz, was er während seiner Führung immer wieder betont. Sie sitzen in mehreren Nischen verteilt an ihren Arbeitsplätzen. In der Mitte des Raumes ist ein großes Besprechungszimmer, abgeteilt mit weißen Vorhängen. Der hintere Gang erinnert an eine Kunstausstellung, denn hier hängen Bilder von verschiedenen Künstlern.

In seiner anschließenden Präsentation ging Titus Bernhard auf seine Projekte, Auszeichnungen und seine Marketingstrategie näher ein. Er versteht gute Architektur als kulturellen Beitrag und als wichtiges Instrument zur Darstellung eines Unternehmens nach außen und damit als Werbeträger. Genauso beschäftigt ihn die Authentizität des privaten Bauherrn in seinem persönlichen Umfeld.

Titus Bernhard Architekten nehmen für sich „Ganzheitliches Denken” in Anspruch, entwickeln für ihre Bauherren und Aufraggeber vom konzeptionellen Hochbau über Innenausbau bis hin zu Möbeldesign, planen innovative Lichtkonzepte, gestalten Freiräume und Außenanlagen. Dafür liefert die interdisziplinäre und ganzheitliche Ausrichtung des Büros im Martinipark ständig Impulse, schafft Spielräume und spinnt Netzwerke. Lange Jahren waren teure Villen sein Steckenpferd – mit außergewöhnlichen Ideen.

Die Realisierung von „Haus 9×9“, das im Jahr 2003 in Stadtbergen errichtet wurde sorgte zum Beispiel für viel Aufsehen in der Nachbarschaft. Es gab sogar einen Baustopp von sechs Wochen, bis Bernhards Rechtsanwalt eine clevere Lösung fand, diesen wieder aufzuheben.

Die Fassade dieses Hauses ist etwas Außergewöhnliches und schon allein deshalb war die Öffentlichkeitsarbeit ein Selbstläufer. „Um die Kosten niedrig halten zu können, haben wir die Körbe mit den Steinen selbst befüllt“, so Bernhard. „Nur so haben wir eine Firma gefunden, die das mit uns realisiert hat.“ Danach zeigte er das Haus „11×11“ vom Wörthsee, das mit Douglasienlamellen verkleidet wurde. „Dieses Haus soll zeigen, dass man auch mit einer kleinen Bauschreinerei aus der Region Großes bewirken kann.“ Dafür erhielten Titus Bernhard Architekten einen Preis. Auch die über 600 Quadratmeter große Villa in Grünwald, die aus Naturstein mit offenen Fugen verkleidet ist und über vier Etagen geht, besticht durch außergewöhnliche Ideen. Sein Rustico am Gardasee mit einem 24 Meter großen Infinity-Pool, das er für einen Unternehmer gebaut hat, war eine Meisterleistung. Denn das ist Titus Bernhards Alleinstellungsmerkmal: etwas anders machen, was andere nicht machen! Bis heute sind Wettbewerbe, an denen er teilgenommen hat für ihn die besten Werbeträger. Neben seiner Tätigkeit als Architekt tourt er durch Deutschland mit seiner Vortragsreihe an Hochschulen und bei Unternehmen mit dem Titel „Titus Bernhard – Provokateur wider Willen“ und gibt seine Erfahrungen weiter.

Auch was sich in den letzten Jahren an Projekten entwickelt hat, darunter das FCA Stadion in Zusammenarbeit mit Peter Kögl, stellte der zeitgenössische Architekt den Mitgliedern vor.

Dabei gab er Einblicke in Denkprozesse, Marketingstrategien und gute Medienarbeit. Zugrunde liegen aber immer klare Konzepte und Leitmotive. Denn nur mit guten Gedanken und Ideen kann etwas Neues und Außergewöhnliches entstehen. Sein neuestes Projekt: ein Ausstellungsraum für Wagner in Langenneufnach mit den größten Glasscheiben der Welt. Und er stellte seine Machbarkeitsstudie für ein Projekt der WBG an der Ulmerstraße für bezahlbaren Wohnraum vor. Mit seiner Architektur möchte er einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Hochgradig beeindruckend, bezeichnete Vorstand Michael Tusch den Vortrag von Titus Bernhard und er bedankte sich ganz herzlich dafür. „Es war fantastisch, was Sie hier präsentiert haben“, so das einhellige Feedback der Gäste.

Text und Bilder: Sabine Roth

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 + = 9